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Folge 18 · 25. September 2025 · 22 Min.

ADHS und Emotionen

Emotionen, die wie eine Welle über dich drüberrollen – das kennen viele mit ADHS nur zu gut. In dieser Folge erzähle ich, wie ich selbst mit diesen Gefühls-Explosionen umgehe, warum wir intensiver fühlen und welche Strategien wirklich helfen können, nicht komplett überwältigt zu werden. Eine Folge für alle, die sich manchmal ‚zu viel‘ fühlen – und lernen wollen, ihre Gefühle besser zu steuern.

→ ADHS→ Selbstwert & „zu viel“ sein→ Gefühle & Emotionen
Transkript lesen · 2.6k Wörter

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Schön, dass ihr wieder dabei seid. Also einmal nochmal danke, dass ihr überhaupt meine Gedankenkotze euch so anhört, dass es euch gefällt. Das freut mich total. Ja, heute möchte ich über etwas sprechen, das mich mit ADHS wirklich, ich würde nicht sagen oft, sondern täglich begleitet. Und zwar die Emotionen.

Dieses intensive Fühlen, das manchmal wie eine Welle über mich drüberrollt. Und vor allem, wie schwer es ist, diese Gefühle dann wieder in den Griff zu bekommen und runterzufahren. Kennst du das? Jemand sagt etwas. Und zack, bei dir geht sofort diese Alarmstufe los. Also bei mir fühlt es sich so an, als hätte ich so keinen Dämpfer, also nichts, was mich mal so stoppt, so gar nichts, sondern es kommt wirklich so, puff, so wie so ein HP-Männchen.

Und alles ist irgendwie sofort da. So die Wut, verletzt zu sein, Freude, Scham, alles. Einfach pur und ungefiltert. Und manchmal denke ich mir so, warum reagiere ich so extrem? Während andere zum Beispiel da total ruhig bleiben können, was ich dann wiederum überhaupt nicht verstehen kann, wie man denn so ruhig bleiben kann.

Aber genau das ist ADHS. Unser Gehirn, unser Gehirn, unser Gehirn, unser Gehirn filtert nicht so viel weg. Wir nehmen halt alles direkter und intensiver wahr. Und das ist so schlimm, es versteht kaum einer. Also ich sage jetzt mal, das Umfeld, was nicht betroffen ist oder sich noch nicht damit beschäftigt hat oder einfach, Entschuldigung, in Anführungsstrichen normal ist.

Wobei ich, glaube ich, sage ich ganz oft immer, sage, dass wir die Normalen sind und die anderen sind unnormal. Aber es ist egal. Ja. Ja, Emotionen. Das hat jetzt auch nichts damit zu tun, dass wir irgendwie zu viel sind oder übertreiben. Weil das ist ja das, was, glaube ich, also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir so geht, dass ich ganz oft das Gefühl habe, dass ich übertreibe.

Dass das zu viel ist. Und selbst wenn es andere nichts sagen, also natürlich habe ich damals immer ganz oft gehört, oh, du übertreibst, du übertreibst, du übertreibst oder du bist zu viel oder irgendwie so. Und selbst wenn das heute nicht mehr so kommuniziert wird, spüre ich es aber. Und ich sehe mich dann so. Und das aber immer erst später, also nicht in der Situation.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, es ist ja neurologisch so. Wir können wirklich ja nichts dafür. Wir haben weniger Filter, weniger Impulskontrolle. Das macht uns auf der einen Seite, und das habe ich ja letztes Mal schon gesagt, uns wahnsinnig empathisch. Und dadurch spüren wir ja auch so unglaublich viel.

Aber es bedeutet halt auch eben, dass wir schneller überflutet sind. Das ist einfach so. Wir können das nicht so steuern. Und glaubt mir, in den letzten, sage ich jetzt mal, drei Jahren versuche ich, und ich glaube, da ist das Problem, während ich gerade rede, versuche ich, alles zu kontrollieren, alles irgendwie zu verändern, alles anders nochmal wahrzunehmen. Und da, ja, ist, glaube ich, gerade mein Problem, merke ich selbst, während ich rede, das alles auf einmal, ja, aber egal.

Ich kann euch gerne mal, wenn ihr möchtet, ich kann euch gerne mal, ihr habt ja jetzt gar keine Ahnung, weil ich entscheide, ja, ich Beispiele nenne, ja. Also, gehen wir mal von Beziehung aus, ob das jetzt der Partner ist, ob das jetzt Freunde sind, ist egal. Aber wenn ich reagiere, also ich persönlich reagiere ja auch schon sehr krass auf eine falsche Tonart. Also, sobald der Ton angehoben wird, und wenn es nur minimal ist, habe ich damit ein ziemlich großes Problem.

Und wenn es dann in meinen Augen noch ungerecht ist, dann habe ich immer sofort richtig zurückgeschossen. Also so richtig, richtig, richtig. Und dann auch umgefiltert. Und dann habe ich nicht nachgedacht, was ich da sage, ne. So von wegen, dass man darauf achtet, ob man den anderen beleidigt oder nicht, ne.

So war ich. Und das tatsächlich versuche ich ja auch. Und das, finde ich, habe ich gut im Griff, das nicht mehr zu machen. Also ich versuche mittlerweile tatsächlich eher so für mich, einmal tief durchzuatmen. Durchzuatmen und mir innerlich zu sagen, das muss jetzt so nicht sein.

Du musst jetzt nicht zurückfeuern. Ich bin, ich habe immer sehr unbewusst schon, glaube ich, in vielen Punkten sehr gut reagiert. Nämlich, wenn ich gemerkt habe, dass ich mich nicht mehr unter Kontrolle habe, dass ich jetzt wirklich, klar, ich hier wie so ein HB-Männchen voll extrem aus der Haut fahre oder ungerecht werde, weil das möchte ich ja nicht. Ich bin ja eigentlich ein Harmoniemensch. Dann bin ich gerne geflüchtet.

Ich bin dann immer rausgegangen, in den Wald gegangen, habe da meine Emotionen rausgelassen. Oder bin auf den Balkon gegangen, als ich noch Zigarette geraucht habe. Da habe ich eine Zigarette geraucht. Aber man durfte mir auch nicht hinterherlaufen. Man durfte nicht mit mir reden.

Wäre nicht gut gegangen. Ja, ich finde es auch nicht lustig, auch wenn sie es jetzt lustig angehört hat oder ich einen leichten Schmunzeln sage. Aber wenn ich überlege, dass ich das so überhaupt nicht unter Kontrolle hatte, dass ich dann auch mal Gegenstände genommen habe und das da ausgelassen habe, dann ist das eher schon mit Scham verbunden. Aber zeigt mir auch, dass ich ganz schön viel schon gelernt habe, mit meinen Emotionen umzugehen. Ja.

Oder gehen wir mal arbeitsmäßig. Ich versuche jetzt mal so ein paar Punkte irgendwie so ein bisschen, damit jeder sich irgendwo vielleicht wiederfinden kann. An der Arbeit damals, wenn ich da irgendwie von Arbeitskollegen oder von Vorgesetzten, das ist egal, aber wenn da mal eine Kritik kam. Und ich meine jetzt noch nicht mal eine Kritik, wenn ich ein persönliches Gespräch hatte an der Arbeit. Damit konnte ich dann schon, das hat mich auch zutiefst verletzt, aber ich bin da nicht hochgegangen wie ein HB-Männchen.

Aber womit ich überhaupt nicht umgehen konnte, weil mal, wenn das in so mehrere, wenn mehrere Personen waren, also wie so ein Meeting oder so. Und da Kritikpunkte irgendwie, ob die positiv oder negativ ist, völlig egal. Damit konnte ich überhaupt nicht umgehen. Da bin ich sofort in diese Rechtfertigung gegangen, warum ich irgendwas getan habe. Und das mache ich, glaube ich, aber eh schon mein ganzes Leben und in jeder Situation, dass ich immer rechtfertige, warum ich wie was tue.

Aber da bin ich auch immer so mit voller Wucht reingegangen in diese Rechtfertigung. Also jetzt beruflich, wenn wir da im Meeting waren oder so. Und wenn ich heute noch mal in so einer Situation wäre, weil ich weiß nicht, habe ich das schon erwähnt, ich bin ja mittlerweile verrentet. Und wenn ich noch mal in so einer Situation wäre beruflich, würde ich zum Beispiel, glaube ich, mittlerweile sagen, okay, ich schreibe mir das auf, mache mir eine Notiz dazu, komme dann aber erst mal zur Ruhe und fahre meine Emotionen runter, damit ich wieder klar denke, denken kann und realistisch denken kann und spreche es dann in Ruhe an. Ich glaube, das wäre so mein Weg, dann damit umzugehen.

Wobei jetzt die Frage, ob ich mich das nochmal dann trauen würde, aber ja. Oder jetzt gehen wir mal vom Autofahren aus. Wir sind immer noch bei Impulskontrolle und Emotionen. Beim Autofahren, wenn ich glaube, das hat jeder, dann bin ich auch der Meinung, das hat wieder jeder. Aber beim Autofahren, da kann ich ja, da kann ich ja, da morde ich ja gefühlt.

Also da bin ich zum Beispiel in Woche drei dauerhaft. Wenn nur jemand zu langsam vor mir fährt, wenn jemand zu unsicher vor mir fährt, es darf mir schon mal gar nicht jemand irgendwie den Weg schneiden, geht ja gar nicht. Oder drängeln oder so und dabei bin ich schon ziemlich zügig unterwegs. Aber wenn da noch jemand drängelt, dann ist er ganz rum. Aber da raste ich richtig aus.

Ich raste dann richtig aus. Da bin ich auch jemand, da kann ich anhalten, den die anderen aus dem Auto ziehen. Das ist schon, klingt so lustig, kleine Kampfzwerg, aber das ist schon schlimm. Früher war das wesentlich schlimmer. Heute bin ich da schon viel entspannter. Das hört sich nicht so an, ich weiß, aber ich bin wirklich schon viel entspannter.

Weil ich mittlerweile dann wirklich tief durchatme. Wieder dieses mindestens drei, vier Mal ein- und ausatmen. Das ist kein Scherz, das mache ich dann. Komme mir zwar echt bescheuert vor, aber es ist die einzige Möglichkeit, das dann wieder unter Kontrolle zu bekommen. Weil das Ding ist, dass wenn ich das nicht mache, ich den ganzen Weg aggressiv fahre.

Also ich fahre dann wesentlich schneller, aggressiver, links, rechts. Auf der Autobahn müsst ihr euch nur vorstellen. Ich glaube, ihr wisst schon, wie ich das meine. Ich muss ja gucken, dass ich das runterfahre, weil das, sorry, ist lebensgefährlich. Gerade beim Auto, ich muss jetzt lachen, aber es ist lebensgefährlich.

Es ist einfach so. Ja, oh Mann. Aber jetzt mal zum Beispiel auch ein anderes Thema mit Emotionen. Wir müssen ja jetzt hier nicht nur diese negativen, krassen, aber jetzt nur mal, wenn wir darüber, kennt ihr vielleicht auch, wenn wir uns irgendwie über irgendwas freuen oder gute Nachrichten bekommen haben oder so, dann ist es auch irgendwie so, dass das total überwältigend sein kann und dass ich dann sofort das raushauen will. Anliebsten würde ich alle anrufen und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich telefonieren hasse.

Aber ich würde am liebsten alle anrufen und das erzählen. So auch völlig übertrieben dann erzählen. Weißt du, wisst ihr, wie ich meine? Und mittlerweile sage ich mir, muss das jetzt sofort sein oder darf ich das einfach mal für mich genießen? Ja, also dann, damit ich das nicht mehr mache.

Ich halte wirklich inne und das ist sau, sau schwer, aber ich muss das innehalten, weil dann erzähle ich auch viel zu viel und dann erzähle ich das den Leuten, denen ich normalerweise sowas überhaupt nicht erzählen würde. Und dann können die sich wahrscheinlich eh nicht mitfreuen, aber das ist jetzt eine Behauptung, aber die können sich eh nicht mitfreuen, weil sie gar nicht fühlen, wie wir fühlen. Ja, und das ist so schwierig.

Es ist echt so, das irgendwie zu steuern, ist wahnsinnig schwer. Ja, also was mir gerade mit den Emotionen so wirklich hilft und ich möchte nicht sagen, dass ich da drin schon echt ein Meister bin, versteht mich bitte nicht falsch, ganz im Gegenteil. Ich habe da auch immer noch meine echt große Last mit und reflektiere aber da auch sehr, sehr viel, wie ich wirklich bin, versuche da viel besser achtsam mit umzugehen, darauf zu achten.

Ich spiegle das auch und das ist, glaube ich, auch was wir oder wie wir das einfach nur lernen können. Also nur in dem Moment zum Beispiel, wenn ich das selbst schon merke, es gibt Situationen, dann merke ich es nicht. Aber wenn ich es merke, dann sind es, sorry, aber so einfache Sachen wie wirklich kurz innehalten. Ich weiß, es ist schwer, aber kurz innehalten, atmen und das ist echt Game Changer, atmen. Was mir auch hilft ist Bewegung, also spazieren gehen.

Wenn ich gehe, wenn ich merke, egal ob das jetzt Wut, Verzweiflung, Verletzung, egal was es ist, ich gehe mit Lotte, mit meinem Hund spazieren. Und das hilft mir tatsächlich auch sehr, um wieder runterzufahren, um zu wissen, jetzt bist du langsam ein bisschen klar und nicht mehr so impulsiv. Was mir auch die letzte Zeit, letzten ein, zwei Jahre, also ich gucke ja selbst immer noch, was mir so am besten dann liegt, aber was mir auch geholfen hat, ist, ihr kennt das ja bei WhatsApp, kannst du dir doch die Nachrichten selbst schicken. Hast dich doch selbst da. Und ich schreibe mir wirklich meine Nachrichten selbst.

Ich schreibe mir, ich lasse das dann raus, ich schreibe das auf. Ich schreibe mir selbst Nachrichten, wie ich mich gerade fühle, was mich gerade wütend macht. Bis ins kleinste Detail schreibe ich das auf. Und als würde ich mit meinem inneren Kind reden, als würde ich ein Tagebuch führen. Und passt auf, ihr haltet mich für sowas von bescheuert gleich.

Aber ich schreibe das wie so ein Tagebuch, also alles wirklich so richtig auf, wie ich mich gerade fühle und, und, und, was mich verletzt hat und, und, und. Und danach schreibe ich, weil das hilft mir dann schon, da merke ich schon, dass ich so runterfahre. Und danach schreibe ich so, als würde ich meinem kleinen Kind schreiben. Meinen inneren Kleinen, der kleinen Angie, so nenne ich es immer. Ich schreibe der kleinen Angie.

Und das hilft mir tatsächlich. Und dann brauche ich aber tatsächlich nochmal so ein paar Stunden. Und wenn ich es dann nochmal durchlese, merke ich schon, wow, das war jemand anderes. Das war viel krasser. Das ist so gar nicht mehr so schlimm. Also aufschreiben hilft zum Beispiel.

Ihr müsst jetzt nicht ihr WhatsApp euch selbst schicken. Ihr könnt euch auch Zettel nehmen oder wie auch immer. Oder vielleicht habt ihr auch gemerkt, es kommt ja nicht wirklich immer regelmäßig oder viel irgendwie was bei Instagram oder so. Aber wenn das dann mich zu sehr beschäftigt, wenn meine Emotionen so sehr überschwappen, dann mache ich Beiträge. Die Beiträge, die bei Instagram sind, sagen wir jetzt in den letzten 14 Tagen, drei Wochen.

Da könnt ihr, wenn ihr jetzt immer einen Beitrag seht, wisst ihr das. Da bin ich sehr emotional getroffen. Dann ist das was, was mich erdrückt. Was raus muss. Wo ich merke, wenn ich das jetzt nicht irgendwie rauslasse, dann frisst es mich auf. Und natürlich bei Instagram schreibe ich im Allgemeinen und würde nicht ins Detail gehen, um Himmels Willen.

Und dafür nutze ich aber dann mein eigener Chat. Ihr könntet theoretisch auch euch Sprachnachrichten schicken oder so, ne? Aber ich weiß nicht. Also jeder hat irgendwie ja so sein Ventil, wo er vielleicht gucken kann, was ihm hilft und was nicht. Hauptsache dieses Gefühl wird heruntergeschraubt oder wird gebremst, bevor ich explodiere oder bevor ihr explodiert.

Ich habe auch ganz viel mitgenommen, wo ich sage, Strategien wahrgenommen, die ich total interessant finde, zum Beispiel mal nochmal von einer anderen Perspektive aus zu betrachten. Das geht aber natürlich erst, wenn... meine Emotionen komplett runtergefahren sind. Vorher funktioniert das überhaupt nicht. Aber wirklich nochmal von einer anderen Perspektive zu betrachten.

Muss ich das wirklich, zum Beispiel jetzt muss ich das wirklich persönlich nehmen? Liegt das an mir, an der Person oder liegt das an irgendwelche anderen Situationen? Aber das, Leute, das ist so ein langer, langer, langer, langer, langer, langer, langer, langer, langer Weg. Und ich mache das jetzt schon seit Ende 2020 oder war es 2021? Ich weiß es nicht. Und seitdem arbeite ich täglich an mir. Täglich.

Ja. Am Ende geht es ja gar nicht darum, unsere Emotionen irgendwie abzustellen. Also abzustellen meine ich jetzt, dass wir sagen, das muss ganz weg. das geht ja nicht. Sie sind ein Teil von uns. Und sie zeigen auch, wie intensiv wir fühlen und leben. Es geht mehr darum, mit diesen Gefühlen umgehen zu lernen, sodass sie uns nicht mehr überrollen.

und wenn du dich manchmal zu viel fühlst, du bist nicht zu viel. Du bist genau richtig so. Und du darfst jeden Tag ein bisschen mehr üben, deine Gefühle zu steuern, anstatt dich von ihnen steuern zu lassen. Und in diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag und lasst es euch gut gehen. auch hier.

Vielen Dank.

Du willst da nicht allein durch?

Angie begleitet Menschen mit ADHS, Hochsensibilität und intensivem Erleben persönlich – ehrlich, nah und ohne Perfektionsdruck.

Erstgespräch mit Angie

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